Als ich nach Plovdiv umgezogen bin, war für mich klar: Mein Gasgrill kommt mit. Schließlich gehört er zu meinem Sommer wie der Kaffee am Morgen. Was allerdings nicht mitkommen
konnte, war die Gasflasche – das wäre dann doch etwas zu abenteuerlich geworden für den internationalen Transport.
Nun wird das Wetter endlich wieder schön, die Terrasse ruft… und ich wollte den Grill anwerfen. Also bin ich zum Praktis gefahren, einem dieser großen Baumärkte hier, um mir einfach eine passende Gasflasche zu kaufen. Und zum Glück hatte ich meinen Anschlussschlauch eingepackt – reine Eingebung.
Denn siehe da: Im Balkan gibt es ganz andere Anschlüsse.
Womit ich so beim besten Willen nicht gerechnet hatte. Im Praktis selbst konnte man mir auch nicht weiterhelfen: weder Adapter noch passender Schlauch. Tja. Grill aus, Sommerpause verlängert.
In solchen Momenten merkt man wieder: Man braucht ein Netzwerk.
Der deutsche Stammtisch in Plovdiv – eine bunte Mischung mit viel Hilfsbereitschaft
Zum Glück gibt es hier in Plovdiv den deutschen Stammtisch. Einmal im Monat trifft sich dort eine wilde Mischung aus Muttersprachler*innen und Bulgar*innen, die ihr Deutsch verbessern wollen. Die Termine laufen über eine Facebookgruppe – und jedes Treffen ist eine Überraschung, wer diesmal dabei ist: Rentner*innen, Freelancer, Expats, Selbständige… und ich mittendrin.
Durch den Stammtisch habe ich bereits unglaublich viel gelernt:
Wie bestellt man ein Buch online? Wohin liefern lassen?
Denn: Die Post hier funktioniert anders als in Deutschland oder Österreich. Amazon liefert kaum oder gar nicht, dafür gibt es Anbieter wie Ciela, die allerdings an Speedy-Abholstationen liefern. Ohne Netzwerk hätte ich das auch irgendwann herausgefunden – aber zusammen mit anderen geht es eben viel schneller. So kam z.B. mein Bulgarisch-Lernbuch zu mir.
Und dann passierte, was in Schwaben völlig normal ist: „Über's Schwätze komme d’Leit zamme.“
Über den Stammtisch lernte ich eine Familie aus Freiburg kennen, die seit Jahren in Plovdiv lebt. Selbständige im Technikbereich, also perfekt für meine Grillfrage.
Ich erzählte ihnen von meinem Gas-Anschlussproblem – und prompt kam die Antwort:
„Hatten wir auch! Moment… wir haben sogar noch eine passende Flasche.“
Und tatsächlich: Sie hatten genau die Gasflasche, die zu meinem Anschluss passt, und haben sie mir einfach so überlassen. Einfach unglaublich freundlich.
Damit blieb mir der Weg zu einem Spezialgeschäft erspart (solche gibt es hier natürlich, aber man muss erst wissen, wo). Und ich konnte direkt in die Grillsaison starten – dank eines Netzwerks, das sich gerade erst bildet und mir jetzt schon den Alltag erleichtert.
Fazit: Alleine kommt man weit – aber gemeinsam kommt man schneller an
Der Umzug nach Bulgarien hat mir einmal mehr gezeigt, wie wertvoll Menschen sind, die ihre Erfahrungen teilen und sich gegenseitig unterstützen.
Ob Gasgrill, Post, Buchbestellung oder einfach ein gutes Gespräch:
Netzwerke machen einen neuen Ort zum Zuhause.
Und jetzt entschuldigt mich – mein Grill wartet.
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Susi (Montag, 13 April 2026 20:51)
Mega cool. Netzwerk ist einfach (überlebens)wichtig:-)